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Nachtrag zu Geist & Macht

15.04.2011 – Die Guttenberg-Story ist zwar noch am Laufen, aber ein Ergebnis ist festzuhalten: Das Amt ist weg und die Schäden können sich sehen lassen. Die Eloquenz und der Charme des Adligen haben den betreuenden Doktorvater Peter Häberle derart aus dem Konzept gebracht, dass die Süddeutsche Zeitung dem Professor gleich eine Seite 3 einräumt und einen ausgewiesenen Vorzeigereporter (Heribert Prantl) auf Spurensuche schickt.

Das Ergebnis lässt sich knapp zusammenfassen: Der Rechtsgelehrte steht fassungslos vor dem größten Täuschungsmanöver, das ihm in seiner Laufbahn als hochdekorierter Wissenschaftler untergekommen ist.

Der biedere Rechtsexperte, den Prantl als „Polyhistor“ und „Genius Universalis“ bezeichnet, hat mit wissenschaftlich geschultem Verstand dem frisch gebackenen Bundestagsabgeordneten das summa cum laude umgehängt. Für eine Leistung, die aus dem Zusammenfügen von Textbausteinen aus allen möglichen Quellen besteht. Mit Wissenschaft hat das Aneinanderreihen von Suchmaschinenergebnissen nichts zu tun. Für was aber hat Peter Häberle den Herrn zu Guttenberg denn ausgezeichnet – diese Frage ist bislang ungeklärt.

Fest steht, der „Weltgeist“ hat sich von einem aufstrebendem Politiker auf´s Kreuz legen lassen. So einfach ist das, wenn sich der politische Durchsetzungswille den passenden Auftritt samt dazugehöriger charakterlicher Maskerade zulegt und damit jeden Zweifel an der eigenen Integrität als Macher und Denker ausräumt.

Die Frage, was Geist & Macht zusammenbringt, wer im Kollisionsfall unterliegt und wie sich das Verhältnis von Politik und dem Rest der Welt darstellt, ist noch nicht beantwortet. Vielleicht ist es mühsig darüber nachzudenken, vielleicht fällt anderen dazu was passendes ein. Immerhin sind sich Spitzenvertreter zweier nicht ganz unwichtiger gesellschaftlicher Bereiche begegnet und haben gezeigt, was sie voneinander wollen. Vorsichtig ausgedrückt: Der eine den akademischen Orden, der andere ein bisschen Glamour aus den Reihen der herrschenden Eliten.

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