BenQ – Facetten eines Siemens-Deals

Zum Geschäftemachen gehört eine handfeste Portion an Rücksichtslosigkeit. Anders ist es nicht zu erklären, dass ein alteingesessener Elektronikkonzern, der mal viel von der Ingenieurskunst seiner Mitarbeiter gehalten hat, Teile seiner Belegschaft wie eine überflüssige Ressource behandelt und nach einer kostenneutralen Entsorgung sucht.

Ein Abnehmer für die Altlast aus dem Mobilfunkbereich war  in Gestalt von Handy-Hersteller BenQ schnell gefunden. Der Wechsel von Produktionsstääten und Personal unter ein neues Firmendach hat dem Siemenskonzern gut getan. Der Vorstand bilanzierte vor kurzem eine unerwartet positive Gewinnsituation im aktuellen Geschäftsjahr.

Weniger gut getan hat das Verschachern des Handy-Geschäfts den Mitarbeitern. Die wurden vom neuen Arbeitgeber sogleich auf Gehaltsdiät gesetzt und zu kostenlosen Überstunden verdonnert – zur Rettung der Arbeitsplätze natürlich.

Jetzt sind neue Einzelheiten aufgetaucht, wie aus gut ausgebildeten Siemensianern bedauernswerte Sozialfälle werden: Im Sommer haben knapp 300 BenQ-Mitarbeiter freiwillig gekündigt mit der Vereinabrung, dass sie eine ordentliche Ablösesumme erhalten. Wer kündigt, erhält kein Arbeitslosengeld. Durch die BenQ-Insolvenz kann er aber auch auf seine Ablöses pfeifen, er ist zwar formal Gläubiger beim zahlungsunfähigen Unternehmen, aber bevor Personalforderungen überhaupt zur Begutachtung anstehen, wird erst die ganze Liste an Verbindlichkeiten mit den dahinter stehenden Geldgebern abgearbeitet.

Es sieht fast so aus, dass am Ende aus Erwerbstätigen neue Hartz-IV-Empfänger werden und zwar ohne viele Zwischenstationen und in einem atemberaubenden Tempo. Deren Bilanz sieht dann nicht so schön aus, wie das Ergebnis des ehemaligen Arbeiotgebers.

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