EMV

EMV geht in die 358. Runde

Es gibt sie noch, die Debatte um die Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV). Bei den Modellforschungen über hochfrequente Felder und deren Wirkung auf biologische Systeme hat sich gegenüber den Diskussionen der Anfangszeit anno 1991 wenig bewegt. Physiker und TÜV-Techniker kennen die Eigenschaften der verschiedenen Frequenzspektren, schließlich muss jedes Gerät von der Schreibtischlampe bis zum Mikrochip EM-tauglich sein. Auch Medizinern ist die Ausstrahlung gepulster oder anders modulierter Wellen kein Geheimnis. Es gibt SAR-Werte (Spezifische Absorptionsraten) und es gibt tonnenweise Untersuchungen, die den Einfluss von Mobilfunkstrahlen auf die neurophysiologische Befindlichkeit des Menschen oder die Funktionstüchtigkeit seiner Zellen beleuchten. Die Langeweile kommt auf, weil immer dieselben Ergebnisse weitergereicht werden: Effekte sind theoretisch möglich, praktisch aber nicht nachweisbar.

Werfen wir einen Blick auf neuesten Resultate, die die Forschungsgemeinschaft Funk dem Leser ihres Newsletters liefert: Der englische Wissenschaftler John Tattersall vom Biomedical Sciences Deprtment in Salisbury, UK, hat sich erregbare Herzzellen vorgenommen. Der Doktor suchte nach Einflüssen von Mobilfunksignalen auf die intrazelluläre Kalziumkonzentration. Fehlanzeige. Allerdings ist dem Wissenschaftler gerade in dem Moment das Sponsorengeld ausgegangen, als er neue Versuchsreihen starten wollte. Die ersten Ergebnisse müssen reichen, schließlich will man nicht Geld in nutzlose Zusatztests versenken.

Auch der jährliche EMV-Kongress im März in Düsseldorf verspricht wenig Erhellendes. Gut bedient sind Elektrotechniker denen hochkarätige Referenten von Siemens in gleich zwei Eröffnungsvorträgen die Haltung des Münchner Konzerns nahebringen. Die anderen Fachbeiträge konzentrieren sich auf technische Aspekte oder sprechen Spezialthemen an, zum Beispiel das „Modellieren des Strahlungsmechanismus von Motherboard-Subboard Strukturen“, ebenfalls Siemens. Doch ein klärendes Wort zum Dauerthema elektromagnetische Strahlung und deren Wirkung auf den Menschen wird es kaum geben.

Wie auch. Jeder scheinbar gesicherten Erkenntnis folgt das Dementi. Als sich fünf niedergelassene Ärzte der oberfränkischen Ortschaft Naila dran machten, in ihrem Patientenkreis den Einfluss von Mobilfunksendeanlagen auf die Krebsinzidenz nachzuweisen, wirbelte das viel Staub auf. Die Mediziner kamen nämlich zu dem Ergebnis, dass tatsächlich Krebserkrankungen bei einem Teil der befragten Patienten im Nahbereich der Funkmasten zunahmen. Die Gegenrecherchen folgten auf dem Fuß und gipfelten in erheblichen Zweifeln an der Seriosität der Naila-Studie. Es gibt nun mahl viele Risikofaktoren für Krebs, die eine direkte Zuordnung von Funkmastbestrahlung, Handynutzung und Erkrankung einfach nicht zulassen. Wieder bleibt der interessierte Laie auf der Suche nach einer Antwort im Kräftespiel von Studie- und Gegenstudie stecken. Oder trägt die ganze Debatte eine gut organisierte Lobbyarbeit?

Advertisements
Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: