NGN – süße Verlockung mit Beigeschmack
Februar 19, 2007
Jeder Netzwerkadministrator weiß ein Lied davon zu singen, was es heißt, drei Netzwerke zu managen. Telefon und Datenleitung führen bislang ein seltsames Doppelleben. Kommt der Mobilfunk noch dazu, wächst der Aufwand und die monatlichen Rechnungsbeträge.
Vieles wurde unternommen, um den Telefonverkehr auf die Datenleitung zu bringen. Der breitbandige DSL-Anschluss hat den Voice-over-IP-Diensten das Tor geöffnet. Indes die Parallelwelten mit den zwei Anschlüssen sind geblieben.
Das soll jetzt alles anders werden. Das Next Generation Network (NGN) basiert ausschließlich auf IP-Technik und routet den Voice-Stream neben den anderen Datenpäckchen fehlerfrei von Endgerät zu Endgerät.
Einen für zwei
Das so genannte IP-Peering kennt keinen Zeittakt. Es gilt das Flat-Prinzip. Lediglich beim Übergang in ein anderes Kommunikationsnetz hält der Carrier die Hand auf. Sehr verbraucherfreundlich, denn für den Teilnehmer entfällt das Endgeld für zwei Anschlüsse.
Einige Netzbetreiber wie Arcor, Hansenet oder die niederländische KPN bilden derzeit die Vorhut der NGN-Pioniere. Die Holländer wollen bis 2010 das traditionelle Telefonnetz stilllegen und Hansenet bietet bereits einen universellen Kommunikationsanschluss an. Arcor hat den Einheitsanschluss für die nächsten Monate angekündigt.
Die Deutsche Telekom hält sich bei NGN noch zurück. Das Festnetz ist nach wie vor eine sichere Einnahmequelle, auch wenn dem Telco-Riesen die Telefonkunden scharenweise weglaufen. Gleichwohl bekennen sich die Bonner bei jeder Gelegenheit zur Konvergenz der Netze und bündeln schon mal die Tarife zu einem großen Pauschalarrangement.
Lukrative alte Technik
Große Eile legt die Telekom beim Wechsel der Netzinfrastruktur nicht an den Tag. Der Datentransport im Telefonnetz per TDM (Time Division Multiplex) bleibt samt NTBA-Dose (Network Termination for ISDN Basic Acces) und standardisierter Telekommunikations Anschluss Einheit (TAE) erst mal im Betrieb. Vielleicht ist das auch gut so, denn der Datentraffic in der DSL-Leitung wächst unaufhörlich. Darunter leidet mitunter die Übertragungsqualität, was beim Telefonieren zu Verständigungsschwierigkeiten oder lästigen Abbrüchen führt.
Wer beim NGN-Anschluss an den Geldbeutel denkt und auf niedrigere Kommunikationskosten spekuliert, liegt falsch. Das NGN-Management ist zwar für den Netzbetreiber eine gewaltige Einsparung, aber bevor die Preise fallen muss erst mal der Investitionsberg abgetragen werden.