Neues von der letzten Meile
Januar 22, 2007
Was der Netzwerkanschluss kostet hängt von vielen Faktoren ab. Womit Unternehmen und Otto Normalverbraucher auf jeden Fall rechnen müssen, ist die Tarifierungsphantasie des Anbieters. Beim Teilnehmeranschluss im Festnetz ist das die Deutsche Telekom. Die nutzt ihre hoheitliche Stellung bei der letzten Meile und bittet zur Kasse. Jedes Geschäftsmodell lebt schließlich von einer rentablen Preisgestaltung.
Nicht nur die Preise für Tomaten, Hackfleisch oder Salat steigen, auch der Teilnehmeranschluss im Festnetz der Deutschen Telekom ist viel zu billig und soll dem Trend folgen. Der Antrag der Deutschen Telekom auf Gebührenerhöhung für die TK-Carrier und Zugangsprovider, die für ihre Dienste die letzte Meile benötigen, liegt auf dem Tisch der Bundesnetzagentur. Satte 13 Prozent mehr sollen sie für den kurzen Weg vom Hausanschluss in das Wide Area Backbone bezahlen, sonst dreht der Leitungseigentümer Telekom den Hahn zu.
Während eine ähnliche Drohung der russischen Regierung beim Ölfluß in der Transitpipeline Druschba zu harschen Reaktionen führte, regt sich beim Datenfluß bisher noch keine Seele auf. Einzig der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) spricht von einem unanständigen Antrag und echauffiert sich über das Wettbewerbsverständnis der Deutschen Telekom. Die begründet ihren Antrag damit, dass höhere Preise den Wettbewerb ankurbeln und damit die Preisspirale wieder nach unten drücken. Da muss sogar BREKO-Geschäftsführer Rainer Lüddemann lachen.
Ein weiteres Argument der Deutschen Telekom für die Preiserhöhung gewährt ebenfalls erschreckende Einblicke in die Sichtweise der Telekom-Manager. Die Mieteinnahmen für die letzte Meile seien nichts anderes als der Deckungsbeitrag für die Unterhaltskosten, heißt es beim TK-Riesen. Wie bitte berechnet die Telekom die Kosten für eine Meile Kupferkabel, die sie ohnehin als ehemaliger Staatskonzern mit Steuergeldern seinerzeit im Boden vergraben hat? Die Antwort führt direkt in das Dickicht moderner Kostenrechnungen. Ein Stellenabbau nämlich reduziert nicht die Personalkosten, sondern erhöht die Ausgaben, behaupten die Telekom-Betriebswirte. Zur unerträglichen Höhe der Gehälter addieren die Kostenrechner nun einfach die Aufwendungen für deren Abbau und wollen sich das von den Carrierrn und Providern bezahlen lassen.
Die Finanzakrobatik der Controller enthält noch einen weiteren Witz. Das Abwälzen von Kosten auf die umliegenden Geschäftspartner, endet spätestens bei der Frage, wer denn nun die Zeche zahlt. Am Ende blecht der Teilnehmer mit seinem Endgeld für den Personalabbau des Telekom-Konzerns. So einfach wie bei den Tomaten und dem Rinderhack lösen sich die verschlungenen Wirtschaftsbeziehungen und nicht wirklich ausgetragenen Widersrpüche rund um die Kommunikationsnetze auf.