Aufräumen im Libanon

August 16, 2006

Mit Bomben auf Menschen losgehen gilt in aufgeklärten Demokratien als unschick. Eigentlich ist es der Hinweis auf einen Täterkreis, der wichtige Lektionen der globalen Weltordnung nicht verstanden hat. Der Moralphilosoph Immanuel Kant hat das mal so formuliert: „Handle nach der Maxime, die sich selbst zugleich zum allgemeinen Gesetze machen kann.“ Damit schließt Kant keineswegs praktische Vernunft und Gewalt aus. Gewalttäter sind Terroristen, wenn sie nicht namens und im Auftrag des Rechtstaates ihren Job ausüben. Mit anderen Worten, die israelische Armeeführung räumt im Libanon auf, weil sie den allgemeinen Gesetzen der praktischen Vernunft gehorcht.
Der allgemeine Gesetzgeber sitzt in Washington und verfügt ein Wertesystem, das überall gelten soll. Die Militäroperation der Israelis geht folglich widerspruchslos über die Bühne, da sich hier zugleich amerikanisches Interesse betätigt – Hisbollah-Milizen und Palästinenser reklamieren seit Jahrzehnten ein eigenes Existenzrecht, das sie in Gegensatz zum israelischen Staatsgebilde bringt. Dieses Recht wird vom obersten Rechtehüter nicht anerkannt, folglich ist das Selbstbehauptungsprogramm der Israelis zugleich das Geltendmachen von allgemeinem Gesetz und der Hisbollah-Kämpfer ein Terrorist.
Das geht nun schon seit Jahrzehnten so und treibt in der jüngsten Geschichte immer groteskere Blüten. Hisbollah und Palästinser sind Teil des weltweiten Terrorismus, sagt Washington. So gesehen, trifft der 33-Tage-Krieg im Libanon genau die Richtigen. Die Kriegsbilanz mit den 3700 Toten und Verletzten sowie Sachschaden in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar auf libanesicher Seite und 700 Millionen US-Dollar für die Israelis belastet kaum das Gewissen der Kriegsparteien. Für die einen ist das Schadensmaß ausreichend, um von einem Sieg der israelischen Streitkräfte zu sprechen, für Hisbollah-Scheich Nasrallah ist das Ende seiner Milizen (noch) nicht eingetreten. Die nächste Auseinandersetzung ist vorprogrammiert und daran wird auch eine UN-Truppe nichts ändern.
Der oberste Ordnungshüter zeigt sich auch zufrieden. Der Militärschlag hat die Dominanz der westlichen Wertegemeinschaft in der islamischen Welt demonstriert und den syrischen und iranischen Machthabern gezeigt, wie man Stadtteile, Autobahnen, Flughäfen und Elektrizitätswerke in Schutt und Asche legt. Sogar dem UN-Generalsekretär Kofi Annan wurde eine Bewährungsprobe eingeräumt, nachdem im Kriegsverlauf den UN-Vertretern jede Kompetenz bestritten wurde. Die Wertegemeinschaft räumt auf und schreitet zur Abwicklung der vom Kriegsergebnis noch übrig gebliebenen Restbestände. Unter den wachsamen Augen der Wertegemeinschaft entsteht ein neuer Libanon, der die Unbotmäßigkeit der vergangenen Jahre noch entschlossener ablegt und wirksam die Interessen der Vereinigten Staaten durchsetzt.

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